Gerber, Fleischer, Brauer, Veterinär vor Ort
Ohne "Bruderländer" ist in der Mongolei mehr denn je Entwicklungshilfe gefragt
Von Hugo Kröpelin

Sieben Millionen Tiere werden jedes Jahr in der MongoIei geschlachtet, aber nur 300 000 Felle und Häute im eigenen Land verarbeitet. Dieses Mißverhältnis veranlaßte das Centrum für internationale Migration und Entwicklung (CIM), den jungen Lederspezialisten Jörg Adams aus Bad Iburg/Niedersachsen nach Ulaanbaatar zu entsenden. Der Senior Experten Service stellte ihm Vater Reinhard Adams zur Seite. Zu finden sind beide im einem früheren sowjetisch-mongolischen Kombinat, das Platten für den Wohnungsbau produzierte. Mit dem Neu-Unternehmer Galbaatar, der eine Produktionshalle kaufte, gründeten sie ein Joint venture. Aus einem Zwei-Millionen DM-Kredit wurden Maschinen angeschafft zum Entfleischen, Falzen, Ausrecken, Abwälken, Spannen der Felle, zum Schleifen, Bügeln, Spritzen und Nähen. "Vor allem die Lagerhaltung und die Fellsortierung mußten auf Vordermann gebracht werden, auch der Umgang mit den teuer importierten Farben entsprach nicht unserer Praxis", betonte Jörg Adams. Was bisher unter dem Strich rausgekommen ist, demonstriert er im Ausstellung- und Verkaufsraum. Zum Sortiment gehört eine Jagdkombination mit Hose, Jacke, Mütze, Handschuhen und Gewehrtasche. "Damit tragen wir den höchsten Ansprüchen eines Waidmanns Rechnung, und das für umgerechnet knapp 500 Mark." Das nächste Projekt der Adams': 400 Kilometer westlich in Zezerleg soll eine Kette vom Aufkauf der Murmeltierfelle bis zur Fertigung der Pelzbekleidung aufgebaut werden.

Aus der Pfalz stammt Alexander Klag, ebenfalls CIM-Delegierter. Nach Stationen in Toronto (Kanada) und Moskau sorgt der Fleischermeister nun in einer Privatfleischerei für Produktqualität und Nachwuchs-Ausbildung. Was mongolische Hände mit deutschen Maschinen und Gewürzen aus einheimischen Rindern und Schweinen zustandebringen, davon überzeugen sich inzwischen Stammkunden aus fast allen Botschaften, aus Hotels, Gaststätten und Fluggesellschaften.

Fast genauso stark begehrt ist bei heftiger Konkurrenz "Chinggis Beer", das die "Handschrift" des Thüringer Braumeisters Günter Lengefeld trägt. Er bildet derzeit seinen Nachfolger aus, der gegen Jahresende mit den Kesseln aus Nordhausen sowie Rohstoffen aus Bayern und der Pfalz das "wunderbare Wasser" (Lengefeld) von Ulaanbaatar selbständig in Gerstensaft verwandeln muß.

"Doyen" nicht nur deutscher, sondern aller ausländischen Entwicklungshelfer ist Dr. Werner Theinert. Zum erstenmal war er 1986 eingereist. Nun ist sein Programm für die Parasitenbekämpfung ausgelaufen, und die Privatisierung des veterinärmedizinischen Dienstes steht an. Welche Aufgabe er dabei zu erfüllen hat, stellt sich in den nächsten Wochen heraus.

Quelle: mit freundlicher Genehmigung von Hugo Kröpelin, News Stories Photos aus Berlin und Brandenburg
(September 1998)


   

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Last Update: 10. September 2006