Die Deutsche Mongolei Agentur aus Ulaanbaatar präsentiert:

Neues aus der Mongolei
vom 3. - 9. Juni 2002

von Dr. Renate Bormann, Ulaanbaatar


Regierungspressekonferenz

Regierungspressekonferenz
Auf einer Pressekonferenz am 06. Juni referierte Ministerpräsident N. Enkhbayar über die geleistete Arbeit der vergangenen Monate und stellte die Website der Regierung, seit dem 06. Juni in englischer und mongolischer Sprache weltweit abrufbar, vor. Die Adresse lautet: www.open-government.mn 
Dem Ministerpräsidenten zur Seite saßen die Minister für Landwirtschaft und Lebensmittelindustrie, D. Nasanjargal, für Wirtschaft und Finanzen, Ch. Ulaan, für Natur und Umwelt, U. Barsbold sowie der stellvertretende Minister für Bildung, Wissenschaft und Kultur, B. Erdenesuren.
Nach den Worten Enkhbayars können sich die Leistungen der Regierung, trotz der außerordentlich schwierigen Wirtschaftslage, verschärft durch Dürre- und Winterkatastrophen, durch Steppen- und Waldbrände, Überschwemmungen und Stürme, sehen lassen.
Die Vorbereitungen auf den vergangenen Winter erwiesen sich als erfolgreicher als in den vorherigen Jahren: Futter- und Nahrungsmittelbevorratung erfolgten rechtzeitiger, ebenso die Informationen für die Viehhalter über Wetterlage und -aussichten. Die Auslandshilfen wurden effektiver eingesetzt, der Transport von Hilfsgütern in die Aimags und Sums besser koordiniert.
Auch die Ernte fiel zufriedenstellend aus.
Traditionell steige die Inflationsrate im Frühjahr an (Kosten für Saatgut, Reparaturen, Jungviehaufzucht, fehlende Milchprodukte), um im Herbst wieder zu sinken.
Zwischen dem 11. Juni und dem 27. Juli finden zum ersten Mal Beratungen mit allen Bag (kleinste administrative Einheit) – Vorsitzenden statt. Da der finanzielle und logistische Aufwand für eine Zusammenführung der 1 500 Bagverantwortlichen in Ulaanbaatar zu hoch wäre, begeben sich Enkhbayar und die Mitglieder seiner Regierung auf die Reise zu ihnen. So werden die Bagvorsitzenden aus den östlichen Aimags in Sukhbaatar mit den Regierungsvertretern zusammentreffen, die aus den westlichen in Khovd usw. Insgesamt wurden acht „Treffpunkte" ausgewählt. Die Kosten für die Aktion werden auf 140 bis 250 Millionen Tugrik geschätzt.

Parlamentssitzung
Gesundheitsminister P. Nyamdavaa informierte die Abgeordneten darüber, dass das Gesundheitsbudget für das Jahr 2002 50,6 Milliarden Tugrik betrage, das entspräche zehn Prozent der gesamten Staatshaushaltsausgaben. Hinzu kommen 311 000 US-Dollar von der Weltbank, die nicht zurückgezahlt werden müssen.
Landesweit seien 872 Ambulanzfahrzeuge im Einsatz, 27 Pharmazieunternehmen arbeiteten entsprechend der gesetzlichen Auflagen, es gäbe sieben Krankenhäuser, die mit ausländischen Gesundheitseinrichtungen Kooperationsvereinbarungen abgeschlossen hätten und 15 staatliche Kliniken.
87,5 Prozent der Bevölkerung seien krankenversichert, auf dem Lande 60 Prozent.
Auf entsprechende Fragen von Abgeordneten antwortete der Minister:
Die Technik und Ausrüstung der meisten Fahrzeuge sei nicht auf dem neuesten Stand, der Einsatz der schnellen medizinischen Hilfe mit Flugzeugen würde im Fall des Falles fast das ganze Jahresbudget aufbrauchen.
Die Hoffnung auf Hilfe von außen sei vergeblich, da die Geber ihre Zuwendungen auf die Verbesserung der allgemeinen Gesundheitsfürsorge konzentrierten.

Kritik am Nationalen Amt für Statistik
Das Ständige Komitee für Wirtschaft beim Großen Staatskhural beriet auf seiner letzten Sitzung am 04. Juni über die Qualität des Wassers und die Wasserversorgung in den Städten und Siedlungen. Außerdem wurde Kritik an den Mitarbeitern des Nationalen Amtes für Statistik laut, weil seit dem Jahr 2000 kein einziges Mal das Existenzminimum neu berechnet wurde.

Veto des Präsidenten
Präsident N. Bagabandi hat gegen das „Gesetz über die Nationalen Streitkräfte" sein Veto eingelegt. Es richtet sich gegen eine Aussage in Paragraph 6, wonach die Grenztruppen von den bewaffneten Streitkräften unabhängig würden. Dies hält der Präsident für einen Fehler.

Vereinfachte Grenzkontrollen
Ab 01. Juli sollen laut Regierungsbeschluss nur noch Grenzwachen, Zollbeamte und Sanitärinspektoren das Recht haben, Kontrollen an den Grenzen durchzuführen.
Bisher waren es mehr als zehn Einrichtungen, die über Kontrollrechte verfügten: Polizei, Steuerbehörde, Motorinspektion u.a. Sie alle müssten somit ihre Tätigkeit zum 01. Juli einstellen.
Darüber hinaus wurde der Personentransport mittels UAS-Jeeps zwischen Zamyn-Uud (Mongolei) und Erlian (China) verboten.

MRVP bald Vollmitglied in der Sozialistischen Internationale?
Eine Delegation der Mongolischen Revolutionären Volkspartei (MRVP) unter Leitung von Generalsekretär D. Idevkhten nahm vom 31. Mai bis 01. Juni an Beratungen der Sozialistischen Internationale (SI) in Casablanca (Marokko) teil. Der Delegation gehörte u.a. das Parlamentsmitglied und Vorsitzende des Sozialistischen Frauenbundes, D. Altai, an.
Die Sicherung des Weltfriedens sowie der Schutz vor Terrorismus standen im Zentrum der Besprechungen in Casablanca.
Die Aussichten der MRVP vom Beobachter zum Vollmitglied der SI aufzusteigen, haben sich durch das Ausscheiden der ehemaligen Sozialdemokratischen Partei verbessert, wie Generalsekretär Idevkhten auf einer Pressekonferenz am 07. Juni in Ulaanbaatar erklärte. (Die mongolischen Sozialdemokraten haben sich 2000 mit den Nationaldemokraten in der Demokratischen Partei vereinigt.)

Coca-Cola-Filiale in Ulaanbaatar
Am 24. Juni eröffnet „Coca-Cola Hongkong" eine Produktionsstätte in Ulaanbaatar.
In der Mongolei werden große Mengen an gefälschter Coca-Cola verkauft. Mit der Filialeröffnung soll u.a. diesem illegalen Treiben ein Riegel vorgeschoben werden.

Offener Brief an den Leiter der Zollverwaltung
Der Verband der Woll- und Kaschmirproduzenten der Mongolei hat sich in einem Offenen Brief an den Leiter der Staatlichen Zollhauptverwaltung, Ch. Baatar, über Abfertigungspraktiken einiger Mitarbeiter der Zollbehörden an den Grenzen zu China beklagt.
Als Beispiel wird die zeitweilige Grenzstation Gashuun-Sukhai im Südgobiaimag angeführt. Am 20. April seien hier 100 Tonnen minderwertiger Rohkaschmir nach China ausgeführt worden, für die lediglich 55 Millionen an Gebühren anfielen, das entspräche dem Tarif für 14 Tonnen.
An der Grenzstation würden pro Tonne Rohkaschmir, die illegal über die Grenze gebracht würde, 1-1,5 Millionen Tugrik an Bestechungsgeldern gezahlt.
Im Juni öffnete die Grenzstation Shiveekhuren im Südgobiaimag. Hier sollen bereits 24 LKW, beladen mit Rohkaschmir, auf die Weiterreise nach China warten.
Der Verband fordert, sämtliche Kaschmirtransporte nach China nur über den Grenzübergang Zamyn Uud abzufertigen.


Flussdurchquerung im Yaktal

Mensch von Wolf angefallen
Im Must-Sum des Khovd-Aimags wurde der Viehhalter A. Lkhagva aus dem Khujirt-Bag von einem Wolf angegriffen. Mit bloßen Händen gelang es dem Mann schließlich, das Tier zu töten. Mit schweren Verletzungen wurde der Viehzüchter in das Sum-Krankenhaus eingeliefert.

Zwei Menschen starben im Hagelschauer
In den nördlichen Sums des Ostgobiaimags, im Süden des Khentii-Aimags und im Sukhbaatar-Aimag kam es am 05. Juni zu starken Stürmen, Regenfällen und Hagelschauern. Im Sukhbaatar-Aimag verloren zwei Viehhalter ihr Leben. Hunderte Jurten stürzten zusammen, ganze Herden verirrten sich.
Von einem Tag zum anderen sanken die Temperaturen von 32 Grad auf unter zehn Grad.
Auch in den nächsten Tagen wird in einigen Landesteilen (Westen und Osten) eine ähnlich gefährliche Wetterlage erwartet.

Acht Mongolen gerettet
Im Saamar-Sum des Zentralaimags stürzte ein Auto (UAS-452) mit elf Insassen in die Tuul. An dieser Stelle erreicht die Tuul eine Tiefe von vier Metern.
Vier Russen, Angestellte der russischen Goldgräbergesellschaft „Zolotoi Vostok-Mongolia", konnten acht Menschen retten. Zwei Kinder und ein Erwachsener starben.

Ambulanzwagen gestohlen
Vor dem Dienstleistungszentrum „Jargalan" im Stadtbezirk Khan-Uul von Ulaanbaatar wurde am vergangenen Freitag ein Fahrzeug der „Schnellen Medizinischen Hilfe" gestohlen.
Es ist das erste Mal, dass sich so ein Vorfall in der Mongolei ereignet hat.
Die Polizei ist sich sicher, den oder die Täter zu finden.

Werbeverbot innerhalb der Nachrichtensendungen
Das Parlament bestätigte ein Gesetz, wonach dem Fernsehen Werbeeinblendungen innerhalb der Nachrichtensendungen verboten wurden.

Neue 10 000-Tugrik-Scheine
Seit dem 04. Juni sind neue 10 000-Tugrik-Scheine im Umlauf. Gedruckt wurden die Scheine auf Bestellung der Mongol Bank in Deutschland. Die Vorderseite schmückt nach wie vor das Konterfei von Chinggis-Khaan. Die Rückseite zeigt einen Helden zu Pferde. Das neue Geld entspricht modernsten Sicherheitsstandards.

Staatliche Revisionskommission tagte
Nach einem Bericht der „Mongolyn Medee" vom 08. Juni wurde auf der Sitzung der Staatlichen Revisionskommission am 07. Juni über Unregelmäßigkeiten bei der Verwendung staatlicher Gelder durch die mongolische Botschaft in Berlin debattiert.
Beim Grundstückskauf und dem Bau eines neuen Botschaftsgebäudes in Berlin sei es zu ernsten Gesetzesverletzungen seitens der Botschaft gekommen.
Außerdem werden Vorwürfe erhoben, im Jahr 2000 seien Hilfsgelder deutscher Organisationen und von Privatpersonen in Höhe von 76 000,- DM nicht ihrer Bestimmung zugeführt worden.

Erste Gäste im Kinderferienlager „Nairamdal" eingetroffen
Die ersten Kinder und Jugendlichen sind im internationalen Ferienlager „Nairamdal" bei Ulaanbaatar eingetroffen. Während des Sommers können sich hier insgesamt 6 500 Gäste in acht Durchgängen erholen. In diesem Jahr werden Kinder und Jugendliche aus Russland, China, Indien, Japan, Deutschland, Korea und Amerika erwartet.
Für den Aufenthalt, der zwischen sieben und zehn Tagen liegt, müssen 22 500 Tugrik bezahlt werden.
Im Gebiet um Ulaanbaatar gibt es 20 Kinderferienheime, 12 davon werden privat betrieben.
Zehn Tage kosten 25 000 Tugrik.
Ab diesem Sommer werden nur noch Acht- bis 16-Jährige aufgenommen. Studenten hätten in den letzten Jahren durch übermäßigen Alkoholgenuss und Rowdytum zu viele Probleme verursacht.


Ts. Boldbayars Diplomarbeit, Drei Zeiten. Filz

Kunststudenten verteidigten Diplomarbeiten
Am 05. Juni versammelten sich Lehrer und Studenten der „Hochschule für bildende Kunst" in der „Galerie für Moderne Kunst", um die Arbeiten der 80 Absolventen des Jahrgangs 2002 zu bewundern, zu bestaunen und zu bewerten.
Das Studium an der Hochschule dauert fünf Jahre und kostet pro Studienjahr für mongolische Studenten 300 US-Dollar.
Ausgebildet werden Kunstmaler, Kunstschmiede, Architekten, Designer, Seidenmaler, Keramiker und Bildhauer. Die Hochschule eine Klasse „Filzkunst", eine Klasse „Lederkunst", eine Klasse „Traditionelle mongolische Malerei" u.a.
Insgesamt studieren an der Kunsthochschule 400 Junge Leute. Auch angehende Künstler aus dem Ausland (China, Japan, Korea, Schweiz) haben hier Seminare und Kurse belegt. Zurzeit sind allerdings ausschließlich Mongolen immatrikuliert.

45 Jahre Staatliche Philharmonie „Ts. Namsraijav"
Am 05. Juni 1957 wurde auf Beschluss des mongolischen Kulturministeriums das Staatliche Symphonieorchester gegründet. Damit begann in der Mongolei die Geschichte der symphonischen Musik.
Das erste Orchester setzte sich zusammen aus 17 Mitgliedern des Staatszirkus‘, 15 Absolventen von Musik- und Ballettschulen und acht Mitgliedern des Puppentheaters.
1980 leitete Chefdirigent Ts. Namsraijav zum ersten Mal in der Mongolei eine Aufführung von Ludwig van Beethovens 9. Sinfonie.
Seit 1990 leitet N. Butenbayar, der Sohn von Namsraijav, das aus 48 Musikern bestehende Orchester.
Vom 05. bis 29. Juni finden aus Anlass des Gründungsjubiläums mehr als zehn Musikaufführungen in der Philharmonie im Kulturpalast von Ulaanbaatar statt.


   

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Last Update: 26. Januar 2014