Die Deutsche Mongolei Agentur aus Ulaanbaatar präsentiert:

Neues aus der Mongolei
8. bis 14. Februar 2010

von Dr. Renate Bormann, Berlin, Ulaanbaatar
(© Text & Fotos)


Tsagaan-Sar-Begrüßungszeremonie in der Staatsempfangshalle im Regierungspalast

Hammelrücken und Glücksrituale
Ein wunderbarer Sonnentag, Feiertag und trotzdem ein langer Arbeitstag für Präsident, Parlaments- und Regierungschefs.
Am 14. Februar begann laut Mondkalender das „Jahr des Tigers" und nachdem Ts. Elbegdorj, D. Demberel und S. Batbold die offiziellen Neujahrsglückwunschzeremonien im Regierungspalast hinter sich gebracht hatten, begaben sie sich ins Gandankloster, um die Segenswünsche von Oberlama Choijamts entgegen zu nehmen, ehe sie sich vor der überlebensgroßen Statue des Bodhisattva Megjid Janraisig (Avalokiteshvara) verneigten.
Mit der Opferung eines weißen Schafs, das zuvor mit blauen Khadags geschmückt worden war, beschworen Präsident Elbegdorj und Oberlama Choijamts nicht nur ein langes Leben für die Menschen, auch der Viehreichtum des Landes solle sich trefflich mehren.
In der Neujahrsansprache wünschte das Staatsoberhaupt den Mongolen alles Gute, Frieden, Wohlstand und Glück im Tigerjahr.
Das brauchen vor allem die im Tigerjahr Geborenen. Traditionell gilt das „eigene" Jahr immer als besonders gefahrvoll.
Vor Sonnenaufgang am Neujahrsmorgen das Haus oder das Ger in seiner Unglücksrichtung zu verlassen und auf dem Wege der Glücksrichtung zurückzukehren, soll helfen, Gefahren abzuwenden. Dies ist jedoch nur eine der vielen Möglichkeiten, sein Schicksal im neuen Jahr günstig zu beeinflussen.
Astrologen und Lamas haben Hochkonjunktur, zudem vermitteln Zeitungen und Kalender jedem die passenden Glücksrituale, Glücksfarben, -tage und –gebete.


Im Megjid- Janraisig-Tempel im Gandankloster

Armeelöwe Sanjaadamba gewinnt Tsagaan-Sar-Ringen
Zum ersten Mal gewann kein Landestitelträger die Tsagaan-Sar-Wettkämpfe im traditionellen mongolischen Ringkampf.
Tsergiin Arslan („Löwe" der Streitkräfte) Ch. Sanjaadamba aus dem Khashaat-Sum im Arkhangai-Aimag besiegte im Finale den Landesgroßmeister G. Usukhbayar aus Battsengel, ebenfalls in Arkhangai.
Im Halbfinale ausgeschieden waren Landeslöwe Do. Gankhuyag und Landesgaruda I. Dorjsambuu.
Insgesamt beteiligten sich 256 Ringer an den Neujahrswettkämpfen im Ringerpalast in Ulaanbaatar.

1. Wirtschaftsforum der Mongolei
Das Résumé der Organisatoren des 1. nationalen Wirtschaftsforums der Mongolei am 08. und 09. Februar fiel durchgängig positiv aus.
Ziel sei es gewesen, einen wirksamen Beitrag für die Bündelung aller Kräfte bei der Wirtschaftsentwicklung des Landes zu leisten, in offenen Diskussionen Vorschläge, Einwände, Meinungen und Kritik der Teilnehmer aufzunehmen.
S. Oyun, Abgeordnete der Großen Staatsversammlung und Vorsitzende der Zivilcouragepartei, kritisierte, dass trotz umfangreicher finanzieller und technischer Unterstützung seitens der Geber, trotz steigender Sozialausgaben (7 % vom BIP 2009, 11 % 2010) und trotz der reichen Bodenschatzvorkommen keine Erfolge bei der Armutsbekämpfung erzielt worden seien.
950 000 der 2,7 Millionen Mongolen lebten in tiefster Armut.
Beklagt wurden das Fehlen einer nationalen Außenhandelspolitik, die extrem hohen Transportkosten und der fast ausschließliche Rohstoffexport, der wenig Wertsteigerungsmöglichkeiten biete.
500 Politiker, Unternehmer, Ökonomen, Repräsentanten der Zivilgesellschaft sowie in- und ausländische Investoren nahmen an dem Forum unter dem Motto „Gemeinsam schaffen wir es" im Großen Saal des Regierungspalastes teil.
Ministerpräsident Batbold konstatierte zum Abschluss, der public-private Dialog sei in Gang gekommen.

Adlerfest 2010
Das Adlerfest 2010 wird am 17. Februar oder am 4. Tag des ersten Frühlingsmonats in Nukht, einem Naherholungsgebiet in der Nähe Ulaanbaatars, stattfinden.
Darüber informierten die Organisatoren „Juulchin Gov'" und die Verwaltung des Bayan-Ulgii-Aimags auf einer Pressekonferenz am 13. Februar in Ulaanbaatar.
20 Adlerjäger aus Bayan-Ulgii werden in Nukht erwartet, außerdem haben sich etwa 50 Touristen aus den USA, Japan, Korea und Kasachstan sowie 100 aus der Mongolei angesagt.
Die besten Adler werden am Ende des Festes mit dem Titel „Königsadler" geschmückt.

Die neun populärsten Persönlichkeiten des Rinderjahres
Zum neunten Mal ermittelte die Tageszeitung „Unuudur" (Heute) die neun populärsten Mongolen des vergangenen Jahres.
Die Auszeichnungsveranstaltung fand am 13. Februar im „Ulaanbaatar" Hotel statt.
Präsident Elbegdorj führt die Liste an, auf den Plätzen folgen Exministerpräsident S. Bayar, die Verdienten Sportler Kh. Tsagaanbaatar und P. Serdamba, Ministerpräsident S. Batbold, die Opernsängerin S. Munguntsetseg, Sumogroßmeister Asashoryu D. Dagvadorj, Vizeministerpräsident M. Enkhbold und der Abgeordnete E. Bat-Uul.
Dagvadorj und Enkhbold gehörten in allen neun Jahren zu den Ausgezeichneten.

2,1 Millionen tote Tiere
Nach Informationen aus dem Landwirtschaftsministerium waren bis zum 08. Februar 2,1 Millionen Tiere verendet.
Die Situation im Gobialtai-Aimag, in den fünf westlichen Sums des Khovd-Aimags und in einigen Sums der Aimags Zavkhan und Byankhongor habe sich weiter verschlechtert.
50 Rettungskräfte und 12 Spezialfahrzeuge waren im Einsatz, um 400 verirrte und im Schnee eingeschlossene Personen zu suchen.
Starke Schneestürme und fallende Temperaturen am vergangenen Wochenende ließen den Mitarbeitern der zentralen und örtlichen Katastrophenschutzdienste keine Zeit zum Verschnaufen.
Bisher wurden noch keine Todesfälle gemeldet, alle Vermissten konnten lebend geborgen werden.
Im Ostgobiaimag wird nach 60 Viehhaltern, die ihre Herden weiden, mit Hochdruck gesucht, drei Viehhalter in Sukhbaatar und ein Siebenjähriger in Gobialtai wurden noch rechtzeitig gefunden.
Der Schnee hat im ganzen Land, auch bei und in Ulaanbaatar, Pässe, Pisten und Straßen blockiert.


A. Sladkevich, A. Riviere (am Mikrofon)

Fotoausstellung „Kalmückien"
Am 10. Februar eröffnete der Direktor des Russischen Hauses in der Berliner Friedrichstraße M. M. Wladimir die Fotoausstellung seines Landsmannes Alexandre Sladkevich „Kalmückien". Gewidmet ist die Ausstellung dem 400. Jahrestag des freiwilligen Beitritts Kalmykiens zu Russland.
Sladkevich, seit Kurzem in Deutschland lebend, reiste, angeregt durch Schweitzers Buch „Johann Jährig" im August 2008 per Anhalter von Woronesch über Zagan Aman nach Elista, der „Perle der Steppe.
„Hier traf ich auf eine völlig andere Welt, ich fühlte mich wie in der Mongolei. Wer weiß schon viel über die Kalmyken, dieses 300 000-Volk am Rande Europas, das einzige buddhistische Staatsvolk außerhalb Asiens"?


A. Riviere, K. Schweitzer

Sladkevich fotografierte Frauen, Männer und Kinder, buddhistische Mönche, Bauten mit ihren asiatischen Ornamenten, Hausdächer im Pagodenstil und Statuen mythischer Helden und Bogenschützen, Erzähler und Sänger.
Fasziniert war er vom Tempel „Goldener Buddha Shakyamuni", des größten in Europa.
Im zweiten Teil des Abends präsentierte Karlheinz Schweitzer seinen Roman „Johann Jährig", aus dem er einige Passagen vortrug sowie die Biografie des nahezu unbekannten Mongolenforschers „Johann Jährig und seine Zeit – Ein Büdinger forscht bei den Mongolen", in der er das Leben Jährigs von dessen Geburt 1747 auf dem Herrnhaag bei Büdingen bis zu dessen Tod 1795 in St. Petersburg abhandelte.
Der Schriftsteller, Fotograf und Übersetzer Schweitzer selbst stammt aus der Wetterau und lebt seit 2003 in Ungarn.
Alain Riviere, ebenfalls Fotograf und Schriftsteller, moderierte die Veranstaltung.
Umrahmt wurde das Programm vom einfühlsamen Klavierspiel einer jungen kalmykischen Pianistin.
Die Ausstellung kann noch bis zum 28. Februar besichtigt werden.


Kalmückien. Die Klavierspielerin

Abschiedszeremonie für Dagvadorj am 03. Oktober
Zum letzten Mal wird der 68. Sumogroßmeister und 25-fache Turniersieger am 03. Oktober 2010 die Sumoarena betreten.
Auf diesen Tag legten die Verantwortlichen die feierliche Verabschiedung Yokozuna Asashoryu D. Dagvadorjs vom aktiven Wettkampfsport fest.
Als Helfer werden ihm der 69. Yokozuna Hakuho Davaajargal als „Tachimochi" (Schwertträger) und Ozeki Harumafuji Byambadorj als „Tsuyharai" (Taufeger) zur Seite stehen.
Die Zeremonie und damit die Sumokarriere des Superstars wird mit dem Abschneiden des Haarknotens beendet.


   

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Last Update: 26. Januar 2014