WORLDVISION-Kinderpatenschaften

Möglichkeiten und Grenzen eines privaten Entwicklungshilfeprojekts in der Mongolei

Manfred Vesper, Lübeck

Rast in der Steppe, Airag wird getrunken (Autor Bildmitte)

Wiedehopfhauen für die Mongolei

Die Deutsch-Mongolische-Gesellschaft lud 1991 ihre Mitglieder zu einem dreiwöchigen Sprachkurs für mongolisch nach Ulaanbaatar in die Mongolei ein. Mit der Eisenbahn durchquerten meine Frau und ich das unendlich erscheinende Sibirien, um, auf zwei Drittel der Strecke Moskau nach Wladiwostok bei Ulaan-Ude kurz hinter dem Baikalsee, nach Süden in die Mongolei abzubiegen.

Einweisung und Pflanzübung mit der "Wiedehopf-Pfanzhaue"

Der Lärchen-Taiga-Wald zog sich zunehmend auf die nördlichen Hänge zurück, und die Steppe weitete sich mehr und mehr aus. Die Erben Tschingis-Khans begrüßten uns mit ihren weißen Jurten inmitten ihrer Viehherden auf ihren kleinen Pferden.

Da es mit dem Sprachkurs bei mir nichts wurde, besuchte ich aus beruflichem Interesse einen Mitarbeiter des Forstminsteriums. Der Grundtenor des Gespräches war wie folgt: Infolge Kahlschlags in den borealen Nadelwäldern im Norden und Westen der Mongolei zur Zeit der kommunistischen Herrschaft startete die junge Demokratie der Mongolei ehrgeizige Aufforstungs-projekte von 4.500 ha pro Jahr. Durch die enge Verbindung zur ehemaligen Sowjetunion, war nur russische Technik bekannt. Die Kernfrage lautete: Mit welchem Werkzeug pflanzt man in Deutschland Bäume, und welches davon ist für die Mongolei geeignet? Spontan sagte ich meinem mongolischen Gesprächspartner, Herrn Tzogo,(Mongolen führen nur einen Namen) zu, im nächsten Jahr mit den in Deutschland üblichen Pflanzwerkzeugen wiederzukommen, um diese vor Ort auf ihre Eignung zu testen.

Die Firma „Forstgerätestelle Grube" war auf Anfrage sofort bereit, sieben verschiedene Pflanz-werkzeuge zu stiften und per Luftfracht in die Mongolei zu schicken: Hohlspaten, Klemmspaten, Huff ‘schen Spaten, Wiedehopfhaue, Buchenbühler-Schrägpflanzhaue, Reisinger Pflanzhäckchen und einen Forstspaten.

Bestürzt war ich über den radikalen Großmaschineneinsatz bei dem mit russischer Technik durchgeführten Kahlschlägen im Lärchen-Taiga-Naturwald. Mit veralteten Motorsägen wurden die Bäume kreuz und quer gefällt, so daß große Holzverluste entstanden. Die schlecht entasteten Stämme wurden innerhalb der Vegetationszeit mit Raupenschleppern gerückt und mit Überkopfladern auf Lastkraftwagen gestapelt. Die Hiebsfläche glich einem Schlachtfeld. Durch die vernichtete Vegetationsschicht kann die Sonne ungehindert den Permafrostboden auftauen, es kommt zu Erdrutschen, der Wasserhaushalt wird nachhaltig gestört. Auf Grund der hohen Holznutzungen unter dem kommunistischen Systems in den siebziger und achtziger Jahre, ist die Aussage des damaligen Ministers Dr. Batjargal zu verstehen: „früher hatte der Fluß Tuul (er fließt durch Ulaanbaatar) das ganze Jahr über einen fast gleichmäßigen Wasserstand, jetzt hat er im Frühsommer Hochwasser, danach führt er kaum noch Wasser". Mit den Pionierbaumarten Birke und Weide, versucht die Natur die Freifläche zu bewalden, was in der Regel durch eine dichte Kalamagrostis Grasschicht über Jahre verhindert wird. Ein Nährboden für das Feuer, welches die Naturverjüngung wieder vernichtet, ein Teufelskreis!
Der Motorsägenhersteller Stihl stiftete eine Motorsäge inklusive Zubehör, mit der zumindest ein gezieltes Fällen der Bäume ohne Holzverluste möglich ist.

Mit diesen Geräten ausgestattet, kehrte ich im Frühjahr 1992 in die Mongolei zurück. Die mongolische Firma OI-MOD hatte alles vorbereitet, und so fuhr ich mit einem Dolmetscher im Jeep in die waldreiche nördliche Provinz Selenge. In allen Dörfern mit Forstpersonal ließen wir die Waldarbeiter und Förster die Pflanzgeräte testen. Es kristallisierte sich schnell heraus, daß die Wiedehopfhaue eindeutig bevorzugt wurde. Das Pflanzverfahren ist relativ einfach zu lernen, die stabile Haue eignet sich auch bei steinigem Boden. Sie besteht aus zwei Stoffen: Stahl und dem Holzstiel; beides Gegenstände, die in einem Entwicklungsland repariert und auch beschafft werden können. Hilfe zur Selbsthilfe kann nur funktionieren, wenn die akzeptierten und benötigten Geräte im Lande selber produzierbar sind.

Das zielgenaue und verlustarme Fällen von Bäumen mit modernen Fälltechniken und die Handhabung von Hammer und Keilen, erregte Interesse und Aufsehen. Doch es wurde allen Beteiligten schnell klar, daß eine 1.000,- $ - Säge nicht bezahlbar war. Somit sind Handgeräte wie Schrotsägen geeigneter. Die Stihl Säge fristet jetzt ihr Dasein als Renommierstück im Büro des Direktors der Firma OI-MOD.

Mit dem Versprechen, im nächsten Jahr mit 1.000 Wiedehopfhauen in die Mongolei zurückzukommen, begann ich im Umfeld von Lübeck, bei Freunden und Bekannten, eine Spendenaktion zu starten. Es klappte. Die Deutsche Botschaft in Ulaanbaatar steuerte durch eine „Kleinstmaßnahme Forstwirtschaft" in einer Höhe von 27.000,- DM zum Ankauf der Hauen bei. Der Transport mittels Container in die Mongolei und die Verteilung im Lande erfolgte über die Spendengelder. Drei Wochen Dienstbefreiung von meiner Arbeitgeberin, der Hansestadt Lübeck, und drei Wochen Urlaub, ergaben genügend Zeit, die mongolischen Waldarbeiter und Forstkollegen in ihren Dörfern aufzusuchen und in die Handhabung der Wiedehopfhauen einzuweisen. Die Dörfer, die wir nicht erreichten, erhielten zu den Hauen eine bebilderte Bedienungsanleitung.

Forstbaumschule Bugant

Forstbaumschule Bugant, Seniorexperte Siegfried Schnell bei der Aussat von Kiefern

Besonders freundschaftliche Verbindungen entstanden in dem Dorf Bugant, im Norden des Landes, ca. 250 km von der russischen Grenze entfernt. Der Bürgermeister Badatsch und die zuständige Försterin Altanzezeg zeigten mir die Forstbaumschule der örtlichen Holzkompanie. Sie war in einem erbärmlichen Zustand: die ehemaligen Gewächshäuser verfallen, viel Unkraut, die Beregnungsanlage defekt, kein Handwerkszeug vorhanden und die produzierten Kiefernsämlinge hatten keine Chance, im rein kontinentalen Klima der Mongolei zu überleben. Ein Gegenbesuch wurde vereinbart, wir besichtigten zusammen in Rellingen, nördlich von Hamburg, mehrere Forstbaumschulen. Eine umfangreiche Geräteliste entstand, um die mongolische Forstbaumschule in die Lage zu versetzen, vitale Pflanzen aufzuziehen.

Die zweite Spendenaktion wurde 1994 gestartet. Sie verlief nach dem gleichen Muster wie zwei Jahre zuvor. Die Geräteliste umfaßte bereits drei Seiten. Alle Gegenstände waren wichtig, da vor Ort nichts zu beschaffen war. Die nötigsten waren: eine leistungsfähige Beregnungsanlage, Schattenmatten gegen die starke Sonnenbestrahlung und die heftigen Regengüsse, Sämaschine, Spaten, Hacken, Rechen, Sensen, Schubkarren, Bindegarn, Rosenscheren und vieles mehr. Ganz besonders wichtig war die Abdeckung der Saatbeete während des langen und kalten Winters mit einem Thermovlies und einer Lochfolie.

Forstbaumschule Bugant, Vorarbeiter Munchow zwischen den jungen Kiefernpflanzen

Doch wer sollte die Anleitung und Schulung der mongolischen Kamparbeiterinnen vor Ort übernehmen? Eine Aufgabe, die ich aus zeitlichen Gründen, drei Monate im Sommer 1994, nicht erfüllen konnte. Es war wieder die Deutsch-Mongolische-Gesellschaft, die den Kontakt zum Senior-Experten-Service (SES) in Bonn herstellte. Eine äußerst effektiv arbeitende Gesellschaft, die Pensionäre in Entwicklungsländer vermittelt. Herr Siegfried Schnell, pensionierter Förster aus Remscheid, flog 1994 für drei Monate und abermals 1995 für vier Wochen in die Mongolei, um die Försterin Altanzezeg und den Vorarbeiter Munchow bei dem Wiederaufbau der Forstbaumschule in Bugant zu beraten, auszubilden und aktiv mitzuarbeiten. Sie haben es geschafft! Eine hervor-ragende Leistung, die viel Energie gekostet hat und ein tiefes Einfühlungsvermögen in die mongolische Mentalität. Die Baumschule liefert jetzt kräftige, überlebensfähige Pflanzen. Sie arbeitet mit gutem Gewinn und gibt ca. zwölf Familien Arbeit. Eine ganz besondere Ehre erfuhr sie im Sommer 1996, als das „Ministerium für Natur und Umwelt" über 80 Forstbedienstete zu einem dreitägigen Forstbaumschulseminar nach Bugant einlud. Eigentlich hätte darauf hin eine Antragsflut einsetzen müssen, weitere Baumschulen zu fördern, nicht einer wurde gestellt! Die Försterin Altanzezeg erhielt für ihr Engagement und Einsatz die Auszeichnung „Beste Försterin der Mongolei 1996". 1997, 1998 und 1999 wurde die Betreuung durch den SES mit Herrn Karl Gentner, einem pensionierten Förster aus Stuttgart, fortgesetzt. Sein Ziel war die Erweiterung der Anzucht mit den Baumarten Lärche, Pappel, Ulme und Birke sowie die Einführung eines Abrechnungsverfahrens mit einer nachvollziehbaren Buchführung. Die Entwicklungshilfe-organisationen „GZT" und „World Vision" planen, die Forstbaumschule als Ausbildungsstätte für „eigenes" Personal zu nutzen. Im Februar 1999, nach einem neuen Spendenaufruf, erfolgte eine notwendige Ergänzungslieferung von noch fehlenden Arbeitsgeräten, besonders wichtig waren Gießkannen. Mit der Kennzeichnung der einzelnen Pflanzquartiere mit dem Namen der Betreuerin erfolgte eine Identifikation und Verantwortlichkeit für die Pflanzen in den Beeten. Für 2000 ist ein Folgeeinsatz des SES mit Herrn Karl Gentner geplant.

Feuerpatschen für die Mongolei

Durch Kahlschlag und Feuer vernichteter Wald

Im Frühjahr 1996 wüteten in der Mongolei verheerende Steppen- und Waldbrände. Nach einem fast schneefreien Winter und einem trockenen Frühjahr, waren über 370 Feuer außer Kontrolle geraten. Diese Feuer entstanden nur durch den Menschen, da es um diese Jahreszeit keine Gewitter gibt. Leichtsinn beim Rauchen, Alkohol und durch Lagerfeuer, sowie Funkenschlag bei elektrischen Überlandleitungen sind die Hauptverursacher. Mein leider inzwischen verstorbener Freund Badatsch verließ jedes Lagerfeuer, nachdem er es mit Wasser gelöscht hatte, indem er genau in die Mitte der Feuerstelle, zwischen die Steine, ein Bündel trockenes Gras gesteckt hatte. So konnte er jedem beweisen, daß sein Feuer wirklich gelöscht worden war.

Das Ökosystem des „mongolischen Taigawaldes" und die Steppe sind an Feuer angepaßt. Natürliche Feuer entstehen nur im Sommer durch Blitzschlag mit der Entzündung der dicken und trockenen Nadelstreu unter den Bäumen in der Regenzeit, dann laufen sie sich verhältnismäßig schnell im frischen Grün tot, falls nicht im Wald durch viel stehendes und liegendes Totholz ein Vollfeuer sich entwickelt. Da es infolge des kontinentalen Klimas wenig Kleinstlebewesen wie Regenwürmer, Asseln, Pilze und Mikroben gibt, erfolgt durch das Feuer die Miniralisierung der Nadelstreu. Doch was 1996 passiert war, ist für europäische Maßstäbe unvorstellbar. Es brannte auf 10,7 Mill. Hektar. Auf Deutschland übertragen wäre das die Fläche der Bundesländer: Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und die Hälfte von Rheinland-Pfalz. 25 Menschen kamen ums Leben und eine nicht mehr feststellbare Menge Vieh. Der gesamte ökologische Schaden ist nicht zu beziffern.

Mit großem personellen Einsatz, aber mit völlig unzureichender Ausrüstung, versuchten die Mongolen, die Brände zu löschen. Das Fernsehen zeigte Bilder, wie mit abgebrochenen Zweigen, Säcken, Kleiderresten oder mit Autoreifen versucht wurde, die Bodenfeuer auszuschlagen. Wir setzen in Deutschland zum Löschen von Bodenfeuern Feuerpatschen ein. Mit dem 50 cm breiten Stahlfächer an einem zwei Meter langen Holzstiel ist man in der Lage, schnell das Feuer auszuschlagen. Nur wenn die örtliche Bevölkerung in die Lage versetzt wird, ihr Feuer zu löschen, wartet sie nicht auf die Löschfahrzeuge der Zentrale in Ulaanbaatar, die doch nicht kommen.

Mit Hilfe einer Kleinstmaßnahme der Deutschen Botschaft in Ulaanbaatar und einem weiteren Spendenaufruf, konnten im Sommer 1997 insgesamt 670 Feuerpatschen den beiden Provinzen Hubskul und Dornod zur Verfügung gestellt werden. Da Strafgefangene in der Mongolei ihren Lebensunterhalt selbst finanzieren müssen, ist für 1999 geplant, das Gefängnis in Mongonmort mit Maschinen und Geräten auszustatten, damit dort Feuerpatschen hergestellt und in der Mongolei verkauft werden können. Leider hat sich dieser Plan nicht verwirklichen lassen, die staatliche Gefängnisverwaltung war zu bürokratisch und private firmen haben sich bisher noch nicht gefunden. Der Slogan „ in jede Jurte eine Feuerpatsche" des Botschaftarztes hat sich noch nicht verwirklicht. Inzwischen hat die GTZ ein eigenes Feuerbekämpfungs- und Preventionsprojekt für die Randzonen des „Chan Chentie" Schutzgebietes mit Erfolg gestartet.

Alle diese Aktivitäten waren nicht möglich ohne eine breit angelegte Unterstützung vieler verschiedener Menschen und Organisationen. Besonders die Deutsche Botschaft in Ulaanbaatar und die Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) in Eschborn und in der Mongolei haben finanziell die Hauptlast getragen. Bedanken möchte ich mich bei den vielen ungenannten Spendern aus dem Umfeld von Lübeck, von denen ich mit meinen „Bettelbriefen" bisher 49.000,- DM erhalten habe. Alle dieser Gelder sind direkt in die Projekte geflossen. Ferner ist es wichtig, bei allen Vorhaben die Ziele möglichst hoch zu stecken und einen langen Atem zu haben. Besonders hinderlich ist oft noch das mongolische „planwirtschaftliche Denken", welches Eigeninitiative behindert und auf Anweisung „von oben" wartet. Zum Glück hat sich die junge, mongolische Generation der 20 bis 30 -jährigen am schnellsten umgestellt.

Die GTZ unterstützt, neben tierärztlichen und wirtschaftlichen Projekten, das Ministerium für Natur und Umwelt entscheidend bei der Einrichtung zweier Naturschutzgebiete. Das nördliche Projekt umfaßt 1 Mill. ha und liegt zwischen Ulaanbaatar und der Grenze zu Rußland, innerhalb der geographischen Waldgesellschaft „Süd-Baikal-Bereich". Das südliche, nicht ganz so große Projekt befindet sich im Süden in der Wüste Gobi, an der chinesischen Grenze, innerhalb des „Zentralasiatischen Bereiches". In beiden Naturschutzgebieten ist die Einbindung der dort und in den Randzonen lebenden Bevölkerung oberstes Ziel. Eine umweltverträgliche, vorsichtige und nachhaltige Nutzung des Lebensraumes wird angestrebt. Der Bevölkerung wird eine wirtschaftliche Zukunft gegeben, damit sie nicht gezwungen wird, in die Landeshauptstadt abzuwandern. Bei diesem Projekt ist es mir vergönnt, als Kurzzeitexperte aktiv mitzuarbeiten.

Naturnahe Waldnutzung, ein Konzept für die Mongolei ?

Im Sommer 1995 besuchte die Führung der mongolischen Forstabteilung aus Ulaanbaatar für zwei Wochen Deutschland. Die Reise wurde von der GTZ finanziert und vom Stadtforstamt Lübeck organisiert. Die aus acht Personen bestehende Delegation erhielt einen umfassenden Überblick über die forstliche Situation in den Bundesländern Schleswig-Holstein und Niedersachsen. Das Programm gliederte sich in die folgenden Themen: Waldgeschichte, Planung, Management, Nutzung, Holzverarbeitung, Waldschutz einschließlich Waldbrandbekämpfung, Saatgutbe-schaffung, Pflanzenanzucht, Aufforstung, Forschung, Aus- und Fortbildung sowie Öffentlichkeits-arbeit. Bewegt oder bewirkt hat dieser Informationsbesuch in der Mongolei bisher zu wenig. Es wurden genügend gute Gesetze erlassen, aber die Durchsetzung auf örtlicher Ebene funktioniert noch nicht. Ein Beispiel dafür ist das zukunftsweisende „Waldgesetz der Mongolei" von 1995. Im § 22 steht kurz und knapp: Kahlschlag ist verboten. Die kommerziell arbeitenden Holzkompanien ernten nach wie vor im Kahlschlagverfahren, mit allen negativen ökologischen Konsequenzen, was leider von der Administration auf jeder Ebene geduldet wird. Zur Entschuldigung muß gesagt werden, daß es sehr schwer ist, mit der zur Zeit vorhandenen russischen Technik selektiv zu ernten.

Hier muß bei der jungen Generation angesetzt werden. Nur diese ist in der Lage, eine Wende zu einer naturnahen Waldnutzung zu vollziehen. So hat bereits Herr Enktaivan sein Aufbaustudium an der Universität in Göttingen mit dem Grad eines Magisters abgeschlossen. Er strebt eine Doktorarbeit mit dem Thema: „Naturnahe Waldnutzung in den Wäldern der Mongolei" an. Sein „Nachfolger", Herr Enktör, studiert seit dem Sommersemester 1997 in Göttingen. Beide Studenten wurden und werden von mir betreut. Sie wurden theoretisch und praktisch in das Konzept der „Naturnahen Waldnutzung" eingewiesen, wie es im Stadtforstamt Lübeck, unter der Leitung von Dr. Lutz Fähser entwickelt, von den bedeutenden Umweltverbänden Greenpeace, BUND, Robin Wood und WWF unterstützt und seit Januar 1997 vom Naturland-Verband und im Januar 1999 vom FSC zertifiziert wurde.

Im Frühjahr und Herbst des Jahres 1997 schulte ich im Aufrage des GTZ - Projektes „Naturschutz und Randzonenentwicklung" die Mitarbeiter des „Ministeriums für Natur und Umwelt", die örtlichen Ranger und Inspektoren der östlichen Randzone des „Chan Chentie" Naturschutzgebietes in der umweltverträglichen, nachhaltigen und selektiven Waldbewirtschaftung. Dieser Personenkreis ist in der Lage, Bäume selektiv auszuzeichnen und das anfallende Holz aufzunehmen und zu vermessen. Zu diesem Zweck erhielt jeder Teilnehmer eine umfangreiche Ausstattung von Arbeitsgeräten wie z. B. Kluppe, Bandmaß, Stückzähler, Reißhaken, Kubieziertabelle, Dendro-meter, Arbeitsmappe u. a. mehr. Im Herbst 1998 fanden Informationsveranstaltungen in Form von Diavorträgen, Waldspielen und Informationsabende für die örtliche Bevölkerung statt. Damit soll die Verantwortlichkeit der ansässigen Menschen für „ihren Wald" gestärkt werden. Der nächste Schritt ist die Gründung von Waldnutzergemeinschaften, die den Wald innerhalb ihrer Weidegebiete schützen und nutzen sollen.

Die Schulung und Ausstattung mit Arbeitsgeräten zur Holzaufnahme und Kontrolle der örtlichen Ranger und Inspektoren hatte sich in den mongolischen Forstkreisen schnell herumgesprochen, so daß die Forstabteilungen der beiden Provinzen Hubskul und Zentral Aimak ebenfalls um eine Schulung und Ausstattung mit Arbeitsgeräten für ihre Personal baten. Jetzt mußten nur noch Geldgeber für den Ankauf der Forstausrüstungen gesucht und von den positiven Aspekten auf Natur und Umwelt überzeugt werden. Der Transport in und innerhalb der Mongolei wird aus Spendengeldern finanziert. Meine Tätigkeit vor Ort ist eine dreitägige Schulung des Forstpersonals mit praktischen Übungen und Einweisungen in der Handhabung der Geräte im Wald. Zwei weitere Schulungen sind je ein Jahr später geplant. Es konnten folgende Maßnahmen durchgeführt werden:

1997 Kleinstmaßnahme der Deutschen Botschaft, Ausrüstung und Schulung von 39 Ranger und Inspektoren des Hubskul Aimaks, in einer Höhe von 15.000,- DM
1998 Land Schleswig-Holstein im Rahmen der Nord-Süd-Entwicklungszusammenarbeit, Ausrüstung und Schulung von 16 Ranger und Inspektoren des Zentral Aimaks, in einer Höhe von 6.000,- DM
1999 Norddeutsches Bingo Lotto rüstet das Forsteinrichtungsinstitut, Leiter Herr Dr. Enksaikhan, des "Ministeriums für Natur und Umwelt" in vierfacher Ausrüstung aller wichtigen Forsteinrichtungsgeräte wie: Kluppen, Meßbänder, Reißhaken, Baumhöhenmesser, Zuwachsbohrer, GPS und anderes mehr in einer Höhe von 7.000,- DM aus.
1999 Kleinstmaßnahme der Deutschen Botschaft, Stromerzeuger für die Forstbaumschule Bugant in einer Höhe von 900.- DM.
Kleinstmaßnahme der Deutschen Botschaft, Ausrüstung von 20 Ranger und Inspektoren des Chentij Aimaks, in einer Höhe von 7.000,- DM; die Schulung erfolgt im Jahr 2000.
2000 Land Schleswig-Holstein im Rahmen der Nord-Süd-Entwicklungszusammenarbeit, Ausrüstung und Schulung von 26 Ranger und Inspektoren des Zawchan Aimaks in einer Höhe von 9.000,- DM. Die Schulung und Übergabe der Geräte erfolgt im Jahr 2001.
2001 2001 Kleinstmaßnahme der Deutschen Botschaft, Ausrüstung von 30 Ranger und Inspektoren des Bulgan Aimaks, in einer Höhe von 11.400,- DM.
Verteilung von 50 Stück Pflanzhacken für Aufforstungsmaßnahmen und Ausrüstung der Waldarbeiter mit Schutzkleidung, finanziert aus Spendengeldern.
Verteilung von über 250 gespendeten Brillen für die Landbevölkerung, gesammelt aus meinem Spendenaufruf im Internet.
2002 Kleinstmaßnahme der Deutschen Botschaft, Ausrüstung und von 35 Rangern und Inspektoren des Bulgan Aimaks, in einer Höhe von 7.500,- €, Die Rangerschulung konnte wegen der schweren Waldbrände im Bereich der Auimakverwaltung nicht erfolgen und wurde auf 2003 verschoben. Verteilung von 350 Stück gebrauchten Brillen.
2003 Tätigkeit für den DED in den Monaten Juni und Juli 2003: Einführung zweier Forstexperten in die Waldbewirtschaftung der Mongolei in Zusammenarbeit mit der GTZ. Rundreise durch die wichtigsten Wälder der Mongolei. Besichtigung von Holzverarbeitungsbetrieben und Baumschulen. Nachholung der wegen Waldbrandes ausgefallenen Schulung des Vorjahres aller Ranger und Inspektoren des Bulgan-Aimaks.
2004 Tätigkeit für den WWF in der Zeit vom 06. bis zum 20. Juni 2004: Schulung der Mitglieder der drei NGO`s (Waldnutzergemeinschaften) in dem Somon Öndörkhangay, im Khan Khokhi Schutzgebiet des Uvs - Aimaks in der nachhaltigen, selektiven Waldnutzung. Verteilung von 320 gebrauchten Brillen in Khovd und in Öndörkhangay.
2005 Besuch des GTZ-Projektes in Mongonmort (Forstbaumschule, Hirschgatter) im Chenti- Aimak.

Am wertvollsten sind für mich die vielen Kontakte, aus denen inzwischen feste Freundschaften zu den Mongolen in den unterschiedlichsten Positionen geworden sind. Dieses Vertrauen ist langsam gewachsen und drückt sich in einer überwältigenden Gastfreundschaft aus, so daß ich mich auf jeden Besuch dieses fernen Landes in Asien freue!

Zum Schluss möchte ich noch frei nach Fritz Mühlenweg aus seinem Buch „Großer Tiger und Christian" zitieren:

Nachdem eine Weile ausgiebig geschwiegen worden war, begann der alte Mongole zu reden. „Bist du schon lange im Mongolenland?" fragte er. Der Dolmetscher Oelsibajar mußte einspringen. „Der armselige Ausländer", sagte er, „kennt das Grasland erst seit drei Wochen". „Ich bedaure ihn aufrichtig", erwiderte der Alte. „Wie traurig muß es sein", fuhr seine Frau fort, „nicht als Mongole geboren zu sein". „Gewiß, gewiß", bestätigte der Alte, „es ist ein Unglück; aber welch ein Glück für ihn, daß er den Weg zu uns gefunden hat!"

Die geographischen Waldgesellschaften der Mongolei


Manfred Vesper
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